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Geschichte der Stadt

 

Leipzig entwickelte sich von Burgflecken zur Messemetropole, erlebte eine kulturelle Blüte Mitte des 18.Jh., entwickelte sich Mitte des 19.Jh. zum industriellen Zentrum in Deutschland, war eine bedeutende Musik-, Universitäts- und Buchhändlerstadt und nicht zuletzt hat der Sport eine herausragende Rolle gespielt

Kurzer historischer Überblick

Bei Grabungen gefundene Werkzeuge und Materialien belegen, dass in der Leipziger Tieflandsbucht schon in prähistorischer Zeit Rast- und Siedlungsplätze der Jäger und Sammler bestanden. Die Besiedlung des Leipziger Stadtkerns erfolgte im 5. Jahrtausend v. Chr. durch Slawen und Germanen. Diese lebten von Ackerbau, Viehzucht und Fischfang. In germanischer Zeit kam noch Gartenbau nach römischen Vorbild hinzu. Die erste feste Ansiedlung entstand in der 2. Hälfte des 6. Jh. mit dem Namen Lipsk (Lindendorf). Im Schutze der in der slawischen Zeit errichteten  Burg von Leipzig, die erstmals 1015 erwähnt wurde und  deren ehem. Standort erst nach der Trümmerbeseitigung, der im 2.Weltkrieges zerstörten Häuser, wieder gefunden wurde, entwickelte sich im Laufe der Zeit die Ansiedlung zur Stadt Leipzig.

Leipzig ist der Mittelpunkt einer weiträumigen Tieflandsbucht. Es kreuzten sich hier die bedeutenden Handelswege, und zwar die Reichsstraße (Via imperii) - von Dänemark nach Italien führend und die Königsstraße (Via regia) - von  Frankreich nach Rußland führend. In der Stadt wurde alles zum Leben notwendige getauscht. 1123 gelangten die Wettiner in den erblichen Besitz der Lande. Die Pleißenburg war ein Schloss der Wettiner. Wiprecht von Groitzsch sorgte durch umfangreiche Rodungen für eine systematische Besiedelung der Leipziger Gegend. 1175 bekommt Leipzig mit dem Bau der Nikolaikirche die älteste Stadtkirche, die dem Schutzpatron der Kaufleute gewidmet wurde. Um 1165 verleiht Markgraf Otto der Reiche Leipzig das Stadtrecht. Leipzig hat etwa 500 Einwohner. Aus dem Tauschhandel haben sich zwei Marktzeiten herausgebildet, die Jubilate- und die Michaelismesse (Herbstmesse) später kam die Neujahrsmesse hinzu.

Ab dem 13.Jh. gilt im Raum Leipzig das Recht des "Sachsenspiegels", verfasst von Eike von Repgow auf der Burg Falkenstein im Harz. 1212 entsteht die Thomaskirche als 2. Stadtkirche und weitere Kloster- und Kirchengründungen folgen. In der 2. Hälfte des 13.Jh. erlässt der Markgraf Dietrich von Landsberg  einen Schutzbrief für die zur Leipziger Messe reisenden Kaufleute und verkauft der Stadt eine Münzprägestätte. Ende des 13.Jh. beträgt die Einwohnerzahl 3.000. Die Bürgerschaft besteht aus Handwerksmeistern, Kaufleuten, Kramern und Beamten. Ohne bürgerliche Rechte sind Hilfskräfte, wie Knechte, Mägde und Tagelöhner. 1270 wird zum ersten Male ein Ratskollegium mit einem Schultheiß gewählt.

1409 wird die Leipziger Universität als eine der ersten in Deutschland (nach Erfurt 1379, Heidelberg 1386 und Köln 1388)  gegründet. Die erste Apotheke "Zum goldenen Löwen" kommt nach Leipzig. 1419 wird das erste Pelzhaus von Leipzig erwähnt. Der Leipziger Pelzhandel ist weltberühmt bis in die Neuzeit. Nach 1471 erhält die Stadt einen Aufschwung durch neue Silberfunde im Erzgebirge. 1479 werden drei Stadtpfeifer eingestellt. Sie stehen am Anfang der städtischen Musikpflege. 1481 wird das erste Buch in Leipzig gedruckt. 1492 wird auf Leipziger Boden Papier hergestellt, das für den Aufschwung des Buchwesens dringend benötigt wird und ein Jahr später besuchen erstmalig auswärtige Buchhändler die Messe. Der bedeutende Aufschwung  des Handels in Leipzig ist auch eng mit der Entwicklung im Weltgeschehen verbunden. Nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus wird Lissabon zum bedeutendsten Hafen der Welt und die Nord-Süd-Handelsverbindung von Lübeck nach Genua verliert an Bedeutung. Der Handel vom Westen nach Osten dominiert und Leipzig als Schnittpunkt zweier Handelswege entwickelt sich zu einem der wichtigsten Warenumschlagsplätze Europas. 1497 erfolgt Verleihung des Reichsmesseprivilegs durch Kaiser Maximilian I.

1501 Errichtung des alten Gewandhauses als Angebotszentrum für Tuchhändler. Noch heute ist der Name Gewandhaus bekannt für ein weltbekanntes Orchester. Um 1500 beginnt  mit dem Umbau der Thomas- und Nikolaikirche zu dreischiffigen spätgotischen Hallenkirchen eine rege Bau- und Umbautätigkeit. Der Barthels Hof mit den später für Leipzig typischen Erkern und andere Renaissance-Bürgerhäuser entstehen. Es handelt sich dabei meist um Durchgangshäuser für den Handel, da die Gespanne zum Abladen hineinfahren und später ohne zu wenden wieder hinaus fahren konnten. Aus diesen Häusern, die in Verbindung mit dem Besitzernamen meist Hof genannt wurden, entwickelten sich später die Leipziger Passagen. Leipzig hat nun 9.000 Einwohner. 1511 wird die Nikolaischule als erste städtische Schule erbaut. Die zum Chorherrenstift gehörende Thomasschule gab es allerdings schon 300 Jahre früher. 1514 erfolgt die päpstliche Bestätigung des Messeprivilegs durch Papst Leo X 1530 wird durch Heinrich Stromer aus Auerbach der Auerbachs Hof mit  einem Weinkeller für die Messegäste erbaut. Den berühmten Fassritt, einer uralten Faustlegende entnommen, findet man im  Keller des Weinrestaurants nachgebildet. Der  Auerbachs Keller wird durch Goethe, der hier in seiner Studentenzeit zechte und im "Faust" dem Fassritt ein Denkmal setzte, weltbekannt. 1539 wird in Leipzig die Reformation eingeführt. 1556 wird das Alte Rathaus in nur halbjähriger Bauzeit zwischen zwei Messen hochgezogen. Es ist eines der schönsten Renaissance-Rathäuser in Deutschland. Es  wurde von Hieronymus Lotter erbaut.

1594 erster Messekatalog für Buchhändler erscheint.

1631 im Dreißigjährigen Krieg wird Leipzig von Tilly, dem kaiserlichen General, belagert und die Vorstädte werden zerstört. 20.000 Einwohner sterben an Pest und Hungersnot. 1632 erfolgte die Besetzung der Stadt durch Wallensteins Truppen und die Schlacht bei Lützen, in der König Gustav Adolf den Tod fand, ereignete sich. 1660 erscheint die welterste Tageszeitung: "Neu-einlaufende Nachricht von Kriegs- und Welt-Händeln" der Neuzeit in Leipzig. Sie ist die Vorgängerin der "Leipziger Zeitung". 1678 bis 1687 wird der erste Barockbau in Leipzig die Alte Börse am Naschmarkt errichtet. 1693 wird das Opernhaus am Brühl erbaut, nach Hamburg die zweitälteste Opernbühne Deutschlands. 1677 stiftet der Advokat Ulrich Huldreich Groß die Ratsbibliothek und spätere Stadtbibliothek mit vielen wertvollen Beständen.

1723 wird Johann Sebastian Bach als Thomaskantor verpflichtet. Zu seinen Aufgaben gehört auch die Aufsicht über den Thomanerchor und das 1773 gestiftete "Große Concert", welches zum Vorläufer der Gewandhauskonzerte wurde. 1755 hat Leipzig ca. 32.000 Einwohner. Gotthold Ephraim Lessing, der seine Studentenzeit hier verbrachte, sagte, Leipzig ist ein Ort "wo man die ganze Welt im kleinen sehen kann". 1765 wird die "Buchhandelsgesellschaft in Deutschland" als Vorläuferin des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler gegründet.

Am 18.10.1806 ziehen Napoleonische Truppen in Leipzig ein. Die Kontinentalsperre wird verhängt.  Sachsen tritt dem  Rheinbund bei und wird  Königreich von Napoleons Gnaden. Vom 14.bis 18.10.1813 findet die Völkerschlacht bei Leipzig statt. Die Truppen von Napoleon werden in die Flucht geschlagen. 100 Jahre später wird zum Gedenken an die gefallenen Soldaten das Völkerschlachtdenkmal errichtet.

Ab 1830 nach den revolutionären Ereignissen beginnt die wirtschaftliche Entwicklung der Neuzeit. Die erste AG der Stadt ist die Leipziger Kammgarnspinnerei. Die erste Dampfmaschine wird in Gebrauch genommen. Die erste Handelslehranstalt und spätere Handelhochschule wird gegründet. Leipzig zählt 41.000 Einwohner. 1836 bis 1839 erfolgt der Bau der Leipzig-Dresdner-Eisenbahn und 1842 wird der Bayrische Bahnhof eingeweiht. 1851 wird die Eisenbahnstrecke von Leipzig nach Nürnberg fertig gestellt. 1855 wird die Maschinenbaufabrik Karl Krause gegründet, die die Grundlage für die Entwicklung des graphischen Gewerbes in Leipzig bildet. 1863 wird das Dritte Allgemeine Deutsche Sportfest in Leipzig mit großem Aufwand gefeiert. 1868 baute man das Neue Theater am Augustusplatz. Es wird im 2.Weltkrieg zerstört und 1956 bis 1960  als Opernhaus wieder aufgebaut. 1870 hat Leipzig 100.000 Einwohner.

1876 wird der Lerchenfang in Leipzig verboten und als Ersatz für die daraus zubereiteten Delikatessen bieten Leipziger Bäcker aus süßen Mandelteig gebackene "Leipziger Lerchen" bis heute an.

1878 wird der Zoologische Garten eröffnet, der sich in den letzten Jahren zu einer Forschungsstätte entwickelt hat,  eine moderne artgerechte Tierhaltung anstrebt und bei den Leipzigern sehr beliebt ist.

1900 hat Leipzig 456.000 Einwohner. 1902 wird der Leipziger Hauptbahnhof als größter Kopfbahnhof Europas mit 26 Bahnsteigen und 5 Außenbahnsteigen erbaut. Um 1907 ist Leipzig mit 550.000 Einwohnern die größte Industriestadt Sachsens und eine der größten Deutschlands. 1911 wird der zweite Flugplatz  Deutschlands in Leipzig betrieben. Die erste Frauenhochschule wird von Henriette Goldschmidt gegründet.1927-1928 wird das erste Hochhaus in Stahlbetonbauweise in Leipzig erbaut, das Bankhaus Kroch, mit  den Glockenschlägerplastiken nach venezianischem Vorbild. 1933 findet der Reichstagsbrandprozess in Leipzig statt und der Angeklagte Georgi Dimitroff wird selbst zum Ankläger des Faschismus. 1938 findet die Reichprogromnacht statt. Die Synagoge in der Gottschedstraße wird zerstört und die Deportation der Juden beginnt. 1939 mit Beginn des 2.Weltkrieges werden vorläufig alle Schulen in Leipzig geschlossen. 1945 ist durch Kriegseinwirkungen  die Bevölkerung Leipzigs von 707.000 im Jahr 1939 auf 485.000 gesunken. Die Gründung der DDR wird anlässlich einer Großkundgebung begangen. Der Wiederaufbau der Stadt beginnt unter anderen mit einem dringend notwendigen verstärkten Wohnungsbau, u. a. entstehen die Ringbebauung, das Wohnhochhaus Wintergartenstraße und  der Stadtteil Grünau für 100.000 Einwohner. 1956 wird das Zentralstadion mit 100.000 Sitzplätzen eingeweiht. Im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft und die Olympiabewerbung wurde es 2004 umgebaut und es entstand die Arena, eine moderne Sport- und Veranstaltungshalle.

1989 führte die allgemeine Unzufriedenheit über die Lebensumstände in der DDR zu Massendemonstrationen in Leipzig. Diese leiteten bundesweit die politische Wende ein. Mit den Friedensgebeten in der Nikolaikirche unter Pfarrer Christian Führer vollzog sich die friedliche Revolution. Mit dem Ruf "Keine Gewalt" zogen die demonstrierenden Leipziger Bürger jeweils montags durch die Stadt. Am 18.03.1990 gibt es die ersten freien demokratischen Wahlen zur Volkskammer und zur Stadtverordnetenversammlung von Leipzig.  Am 03.10.1990 ist Deutschland wiedervereinigt. 1990 wurde Leipzig 825 Jahre alt. Leipzig hat rund 511.000 Einwohner.

Persönlichkeiten